5 einflussreiche Bağlama-(Saz-)Künstler: Hörleitfaden
Die Bağlama, außerhalb der Türkei oft Saz genannt, steht im Zentrum der anatolischen Volksmusik, der Âşık-Tradition und zahlreicher moderner türkischer Stilrichtungen. Eine endgültige Rangliste der „besten“ Spieler kann es nicht geben: Regionale Schulen, Aufführungssituationen und künstlerische Ziele unterscheiden sich. Die folgenden fünf Musiker wurden ausgewählt, weil jeder von ihnen die Wahrnehmung des Instruments verändert hat – durch Volksdichtung, Rundfunk, Komposition, Unterricht, technische Neuerungen oder populäre Musik.
Dieser Leitfaden stellt Neşet Ertaş, Arif Sağ, Orhan Gencebay, Erkan Oğur und Âşık Veysel vor. Er erklärt außerdem, worauf man in ihren Aufnahmen achten kann und wo sich der Einstieg lohnt.
Bağlama, Saz und die Âşık-Tradition
Bağlama bezeichnet gewöhnlich eine Familie von Langhalslauten mit unterschiedlichen Größen, Stimmungen und Spieltechniken. Saz ist im Türkischen und Persischen ein weiter gefasstes Wort für Musikinstrument, wird international jedoch häufig als Synonym für Bağlama verwendet. Bauform, Saitenanordnung, Stimmung sowie Plektrum- oder Fingertechnik können je nach Region und Musiker variieren.
Eng verbunden ist die Bağlama mit dem Âşık: einem Sänger und Dichter, der Verse, Erzählungen, gesellschaftliche Beobachtungen und persönliche Gedanken vorträgt und sich dabei meist auf der Saz begleitet. Diese Kultur ist eine lebendige, vielfältige Tradition und kein unveränderlicher Einzelstil.
1. Neşet Ertaş

Neşet Ertaş (1938–2012) wuchs in der Musikkultur Zentralanatoliens auf. Sein Vater Muharrem Ertaş war ein bedeutender Volksmusiker. Neşet lernte früh das Repertoire und die Aufführungspraxis von Zusammenkünften und Hochzeiten kennen. Später machte er Karriere mit Schallplatten und Konzerten, blieb aber eng mit den Liedern, Tanzmelodien und der poetischen Sprache seiner Heimatregion verbunden.
Seine Stimme und sein Bağlama-Spiel wirken untrennbar. Das Instrument liefert nicht bloß Akkorde: Es antwortet der Stimme, formt den Rhythmus und verstärkt die Bedeutung einer Textzeile. Sein Repertoire umfasst überliefertes Material ebenso wie Lieder, deren Text und Musik mit seinem Namen verbunden sind.
Worauf sollte man hören?
- Auf den engen Dialog zwischen vokalen Verzierungen und Bağlama-Phrasen.
- Auf die flexible Zeitgestaltung, die dem emotionalen Gewicht des Textes folgt.
- Auf die unmittelbare, unverstellte Intensität statt Virtuosität als Selbstzweck.
2. Arif Sağ

Arif Sağ, geboren 1945, ist Interpret, Komponist und Pädagoge sowie eine Schlüsselfigur der modernen Präsentation türkischer Volksmusik. Seine Arbeit für Rundfunk und Tonträger, seine Konzerte und sein Unterricht brachten das Bağlama-Repertoire einem großen Publikum nahe und förderten zugleich das systematische Erlernen der Spieltechnik.
Sağ verbindet genaue Kenntnis regionaler Musik mit einem klar ausgearbeiteten Konzertstil. Auch pädagogisch ist sein Einfluss groß: Generationen von Lernenden begegneten der Bağlama durch seinen Unterricht, seine Arrangements und Kooperationen.
Worauf sollte man hören?
- Auf klare Artikulation und sorgfältig geformte Verzierungen.
- Auf Arrangements, die den Charakter der Volksmusik in ein Konzertformat übertragen.
- Darauf, wie das Instrument zwischen Begleitung, Ensembleklang und Solostimme wechselt.
3. Orhan Gencebay

Orhan Gencebay, geboren 1944, ist Sänger, Komponist, Arrangeur, Schauspieler und ein unverwechselbarer Saz-Spieler. Er integrierte das Instrument in reich instrumentierte populäre Produktionen, die türkische Volks- und Kunstmusik mit weiteren zeitgenössischen Einflüssen verbinden.
Seine Musik wird häufig als Arabesk bezeichnet; Gencebay selbst hält diesen Begriff jedoch für zu eng, um seine musikalische Sprache zu beschreiben. Für Bağlama-Hörer liegt seine Bedeutung darin, dass er die technische und expressive Rolle des Instruments im Studio erweiterte. Schnelle Läufe, Ziehbewegungen, Ornamente und dramatische Phrasen werden Teil eines größeren orchestralen Entwurfs.
Worauf sollte man hören?
- Auf virtuose Linien, die als Einleitung, Erkennungsmotiv oder Antwort auf die Stimme dienen.
- Auf starke dynamische Kontraste und dramatische Phrasierung.
- Auf die Verbindung der Saz mit Streichern, Schlagwerk und Studioarrangements.
4. Erkan Oğur

Erkan Oğur, geboren 1954, ist Multiinstrumentalist, Komponist und Improvisator. Er verbindet die Musiksprache Anatoliens mit neuen instrumentalen Möglichkeiten. Neben der Bağlama spielt er Kopuz, Gitarre und weitere Saiteninstrumente; weithin bekannt ist er für die Entwicklung der bundlosen klassischen Gitarre in den 1970er-Jahren.
Durch das Entfernen der Gitarrenbünde konnte er Tonhöhen und melodische Nuancen gestalten, die sich mit feststehenden, gleichstufigen Bünden nicht in gleicher Weise wiedergeben lassen. Sein Bağlama-Spiel ist ebenso aufschlussreich: Weite Phrasen, Aufmerksamkeit für Klangfarbe und tiefes Zuhören zählen oft mehr als bloße Geschwindigkeit.
Worauf sollte man hören?
- Auf feine Tonhöhenbewegungen und den Ausdrucksraum zwischen den Tönen.
- Auf leise Dynamik, Resonanz und bewusst gesetzte Stille.
- Auf Improvisation, die traditionelle Melodik mit einer persönlichen Gegenwartssprache verbindet.
5. Âşık Veysel

Âşık Veysel Şatıroğlu (1894–1973) war Dichter, Sänger und Saz-Spieler aus Sivas. Nach einer Pockenerkrankung verlor er in der Kindheit sein Augenlicht und entwickelte eine lebenslange Beziehung zur Bağlama. In zugänglicher und zugleich vielschichtiger Sprache schrieb er über Liebe, Sterblichkeit, Natur, gesellschaftlichen Zusammenhalt, Heimat und den Lebensweg des Menschen.
Seine Bedeutung beruht nicht allein auf instrumentaler Brillanz. Stimme, Dichtung und Saz bilden eine Aussage: Wiederholte Figuren tragen das Metrum, kurze Antworten heben eine Zeile hervor, und das Instrument lässt den Worten Raum. Lieder wie „Uzun İnce Bir Yoldayım“ werden bis heute in vielen Stilrichtungen neu interpretiert.
Worauf sollte man hören?
- Auf eine sparsame Begleitung, die das Gedicht in den Mittelpunkt stellt.
- Auf einprägsame Melodien aus Wiederholung und feiner Variation.
- Auf die Einheit von gesprochener Sprache, gesungenem Rhythmus und instrumentalem Puls.
So entdecken Sie diese Künstler
Hören Sie mehrere Aufnahmen jedes Musikers statt nur eines populären Videos. Vergleichen Sie eine Solo- oder intime Darbietung mit einer Studioproduktion. Achten Sie zunächst auf den Gesamtausdruck, danach auf das Verhältnis von Stimme und Instrument, Stimmung, Muster der Anschlagshand, Verzierungen und den Einsatz von Stille.
Keine Liste mit fünf Namen kann die gesamte Welt der Bağlama abbilden. Regionale Meister, Musikerinnen, zeitgenössische Erneuerer, Ensemblemusiker und zahlreiche lokal prägende Lehrer verdienen eigene Betrachtungen. Verstehen Sie diese Namen als Ausgangspunkte und nicht als endgültige Rangfolge.
Eine Bağlama für dieses Repertoire wählen
Berücksichtigen Sie vor dem Kauf die gewünschte Musik, die Stimmung Ihres Lehrers, Mensur, Korpusgröße, Saitenanordnung, Saitenlage, Bundpositionen und verfügbare Wartung. Ein teureres Instrument ist für Anfänger nicht automatisch geeigneter; eine komfortable Einstellung und stabile Konstruktion sind wichtiger.
Vergleichen Sie kurz- und langhalsige Modelle in der Bağlama-Kollektion von Sala Muzik und klären Sie vor der Bestellung, welche Einrichtung Ihr Repertoire erfordert.
Häufig gestellte Fragen
Sind Saz und Bağlama dasselbe Instrument?
Im internationalen Sprachgebrauch bezeichnen beide oft dieselbe Langhalslaute. Genau genommen kann Saz allgemein ein Instrument bedeuten, während Bağlama eine bestimmte Instrumentenfamilie bezeichnet.
Wer ist der größte Bağlama-Spieler?
Darauf gibt es keine objektive Antwort. Regionale Authentizität, poetische Begleitung, technische Bandbreite, Komposition, Improvisation und Innovation können unterschiedlich gewichtet werden.
Ist Âşık Veysel vor allem als Spieler oder als Dichter bekannt?
Beides gehört zusammen; sein bleibender Ruf beruht jedoch besonders auf seiner Dichtung und der Einheit von Wort, Stimme und Saz.
Mit welchem Künstler sollte man beginnen?
Beginnen Sie mit Âşık Veysel für die Sänger-Dichter-Tradition, Neşet Ertaş für den Dialog von Stimme und Instrument, Arif Sağ für konzertante Volksmusik, Orhan Gencebay für populäre Studioarrangements und Erkan Oğur für Klangfarbe und Improvisation.

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